Wissen 5 Min. Lesezeit  |  7. Juli 2020

Was ist eigentlich Design Thinking?

Ruben Lehmann
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Design Thinking wird zunehmend populärer. Immer mehr Unternehmen und Organisationen entdecken die grundlegenden Denkprinzipien, Vorgehensweisen und Arbeitshaltungen, die aus dem Design Thinking stammen. In einem sehr zielstrebigen, aber komplexen Umfeld, in dem schnelle Veränderungen gefordert sind, hat sich Design Thinking als ein sehr nützliches Instrument erwiesen. Netflix, Google oder Tesla sind damit bereits extrem erfolgreich.

Dabei können Probleme und Herausforderungen, die der heutigen Zeit entsprechen, gezielt und meist auch erfolgreich gemeistert werden. Sobald Menschen verschiedener Bereiche in einem kreativen Umfeld zusammenarbeiten und Konzepte entwickeln die mehrfach überarbeitet und geprüft werden, ist es mit Hilfe von Design Thinking möglich, Probleme einfach zu lösen.

Grundlagen des Design Thinking

Mit Design Thinking wird ein Denkansatz und zugleich eine Methodik beschrieben. Hinter dem Design Thinking stecken Personen wie Terry Winograd, David Kelley und der Gründer von IDEO, die auch das Konzept vermarkten. Design Thinking ist ein Ansatz bzw. eine systematische Herangehensweise, welche beim Lösen von Problemen und bei der Entwicklung neuer Inspirationen beziehungsweise Produkten helfen soll. Das Ziel ist, eine Lösung zu finden, die aus Nutzersicht verständlich ist. Der Ansatz ragt über die klassischen Design Disziplinen wie Gestaltung hinaus.

Im Zentrum des Prozesses stehen vor allem die Wünsche der Nutzer und deren Bedürfnisse und ein nutzerorientiertes Gestalten. Design Thinking wird durch eine stetige Rückkopplung zwischen den Erfindern einer Lösung und der Zielgruppe perfektioniert. Personen die Design Thinking betreiben, nehmen sich die Verhaltensweisen und Abläufe von ihren Nutzern als Vorlage. Mit sogenannten Prototypen wird möglichst früh eine Lösung präsentiert, sodass diese noch vor der Markteinführung oder Fertigstellung getestet wird und Feedbacks abgegeben werden können. Auf diese Weise können Ergebnisse erzielt werden, die auf der Praxis beruhen.

Es werden alle möglichen Meinungen, Perspektiven und Erfahrungen gesammelt und zusammengestellt. Hierdurch können auch interdisziplinäre Teams innovative und herausragende Entwicklungen erschaffen. Innovation muss nicht immer gleich eine Erfindung sein, die auf neuem Grundstein erarbeitet wurde. Bereits die Idee, die Abläufe im Unternehmen schneller und effektiver zu gestalten, lässt sich als Innovation betiteln. Grundlage des Design Thinking ist die Annahme, dass die Innovation aus der Schnittmenge dreier wichtigen und gleichwertigen Faktoren entsteht.

  • Mensch: Nutzen und Wünschbarkeit
  • Wirtschaft: Wirtschafltichkeit / Marktfähigkeit
  • Technologie: Machbarkeit / Umsetzbarkeit

Die Perspektive der Menschen wird als Ausgangspunkt der Zielstellung für das Gestalten von Produkten oder anderen Darbietungen verwendet, die attraktiv und zugleich auch realisierbar sind.

Design Thinking Faktoren

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Design Thinking Prozess

Für Design Thinking ist eine Orientierung und eine grobe Strukturierung wichtig, welche innerhalb eines Prozessmodells aufgefasst werden. Es gibt verschiedene Schritte, die im Prozess durchlaufen werden, welche aber nicht einheitlich definiert sind und sich deshalb je nach Informationsquelle leicht unterscheiden können. Diese müssen allerdings nicht nach einer bestimmten Reihenfolge eingehalten werden, da es oftmals auch dazu kommen kann, dass Teilnehmer bereits kurz nach Beginn Ideen für eine neue Entwicklung oder eine Lösung generieren. Das Ergebnis eines Prozesses kann am Anfang oftmals noch offen, aber auch durch feste Rahmenbedingungen vorgegeben sein. Der Design Thinking Prozess lässt sich in sechs Phasen unterteilen.

1. Verstehen (Understand)

Als erstes ist es wichtig, das Problemfeld zu verstehen und zu kennen. Alle Teilnehmer bzw. Mitglieder starten zusammen an einem gemeinsamen Arbeitsplatz mit den Recherchemaßnahmen. Die Gruppen bzw. Teams sollten multidisziplinär zusammengesetzt sein, damit alle Fachbereiche und auch weitere Bereiche, die über die Grenzen hinaus gehen, abgedeckt werden.

2. Beobachten (Observe)

Hier werden umfassende Auseinandersetzungen mit den Teilnehmern, durch gezieltes Befragen oder Beobachten, realisiert. Aus diesen Unterhaltungen sollen die Zielgruppen und deren Anforderung sowie Bedürfnisse erfasst werden. Wichtig ist es, sich dabei in den Alltag der relevanten Interessenten zu versetzen. Alle Erfahrungen und Einblicke werden gesammelt.

3. Sichtweise definieren (Point of view)

Die Teammitglieder der einzelnen Bereiche tauschen sich aus und führen die Einsichten zu einem Gesamtbild zusammen. Mit Hilfe von Skizzen kann das errungene Wissen visualisiert und damit auch veranschaulicht werden. Ziel ist, dass alle auf dem gleichen Wissensstand sind.

4. Ideen finden (Ideate)

Nach dem Sammeln der Einsichten können nun, zum Beispiel durch Brainstorming oder anderen Techniken, möglichst viele neue Ideen ausgedacht werden. Aus der Gesamtheit der Ideen werden schließlich die besten bezüglich der Umsetzbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Attraktivität ausgesucht. Da die Orientierung am Menschen liegt, wird auf die Attraktivität etwas mehr wert als auf die beiden anderen Aspekte gelegt.

5. Prototyp entwickeln (Prototype)

Die ausgewählten Ideen sollen nun schnell in Form von Prototypen ausprobiert werden. Die Prototypen können in verschiedensten Arten übermittelt werden, zum Beispiel in der Form eines Modells oder eines Rollenspiels.

6. Testen (Testing)

Haben die Prototypen eine konkrete Form erlangt, so werden sie den Zielgruppen präsentiert. Daraus sollen hilfreiche Feedbacks entstehen, die neue Ansatzpunkte für eine Verbesserung beinhalten. In manchen Fällen kann dies auch zu dem Verwerfen einer Idee führen.

Für den Prozess kann auch ein flexibler Ort und eine angenehme Umgebung eine wichtige Rolle spielen. So können ausreichend Platz und diverse Materialien, wie Whiteboards oder Präsentationsflächen, zur Gestaltung der Ideen beitragen.

Design Thinking Prozess

Design Thinking Prozess

Vorteile und Grenzen von Design Thinking

Vorteile

  • Die offene Methode ermöglicht einen Spielraum für neue und unbekannte Ideen und Lösungsansätze
  • Die Kunden oder auch Nutzer werden in die Entwicklung mit eingebunden, wodurch die Produkte oder Lösungen besser den Bedürfnissen entsprechen
  • Der Design Thinking Prozess ist leicht verständlich und jedes Unternehmen kann ihn gezielt anwenden
  • Durch Prototypen können Beobachtungen und Feedbacks notiert werden, welche für die finalisierte Lösung verwendet werden

Grenzen von Design Thinking

  • Beim Design Thinking gibt es keine Sicherheit, dass auch ein Ergebnis zustande kommt
  • Der Prozess sollte nur in Gruppen mit einer Teamgröße von fünf bis acht Personen absolviert werden, da sonst keine effektive Zusammenarbeit gewährleistet wird und ist somit nur beschränkt für größere Teams nutzbar
  • Der Design Thinking Prozess beansprucht Zeit, vor allem durch das Erstellen eines Prototyps und das Sammeln von Erfahrungen und Bedürfnissen

Design Thinking bringt Erfolg mit sich

Design Thinking ist durch die steigende Bekanntheit mittlerweile mehr als nur ein kreativer Prozess. Aus der anfänglichen Innovationsmethode wurde eine ganz neue Art entwickelt, die Nutzer in den Verlauf einer Lösungsfindung oder Produktentwicklung miteinzubeziehen. Viele Unternehmen nutzen zur Gestaltung von Produkten die Idee des Design Thinking und binden die Zielgruppe durch Feedbacks, Prototypen und Befragungen in die Entwicklungsprozesse mit ein. Daraus lassen sich Lösungen und Innovationen schaffen, die auf die Nutzer abgestimmt sind.

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